Der Begriff 'Nationalismus' beschreibt generell zwei Phänomene: (1) Die Einstellung, die die Mitglieder einer Nation haben, wenn sie ihre nationale Identität bekräftigen und (2) die Handlungen, die die Mitglieder einer Nation mit dem Zweck, ihre Selbstbestimmung zu gewinnen oder aufrechtzuerhalten, ausführen. (1) benötigt ein Konzept von Nation (oder nationaler Identität), das häufig durch gemeinsame Ursprünge, Ethnie, oder kulturelle Verbindungen definiert wird. Die individuelle Zugehörigkeit zur Nation wird häufig für unfreiwillig gehalten, doch sie kann auch als freiwillig betrachtet werden. (2) stellt die Frage, ob die Selbstbestimmung eine völlige Souveränität mit kompletter Kontrolle über interne und internationale Angelegenheiten erfordert, oder ob weniger ausreicht.
Aus diesem Grund unterscheidet man traditionell Nationen von Staaten - die Nation wird häufig von einer ethnischen oder kulturellen Gemeinschaft gebildet, während der Staat ein politisches Konstrukt mit einem hohen Maß an Souveränität darstellt. Zwar sind viele Staaten gewisserweise auch Nationen, doch viele Nationen sind nicht völlig souveräne Staaten. - Internet Encyclopedia of Philosophy
Der Nationalismus basiert auf der Idee, dass eine Nation, im Kontrast zum Nationalstaat, aus der einheimischen Bevölkerung einer Region gebildet wird. Er ist die älteste und vernünftigste Regierungsform, weil er Menschen gruppiert, die kulturelle, ethnische und sprachliche Gemeinsamkeiten haben. Der moderne Nationalstaat setzt politische Grenzen, die oftmals mehrere, verschiedenartige Völker einschließen, und verkündet eine "Nation" - doch ohne einen allgemeinen Konsens sind solche Staaten bloß Marktplätze, nicht lebendige kulturelle Einheiten.
In einer Welt, in der die aus dem Verlangen, persönliches Reichtum anzuhäufen, hervortretende menschliche Gedankenlosigkeit unsere Umwelt zerstört und unsere Leben zu einer endlosen Fahrt durch graue Betontunnel macht, um bedeutungslosen Tätigkeiten nachzugehen, legt der Nationalismus den Weg nahe, der den organischen Bund zwischen Individuum und Gesellschaft wiederherstellt. Der Nationalismus plädiert für einen bedeutungsvolleren Alltag, indem er Kultur vor Kommerz stellt. Er setzt den schmutzigen Städten und schlechten Entscheidungen, die von der Sorte Mensch gemacht werden, die alles kaufen, egal wie nützlich das Produkt ist, oder wie hoch seine indirekten, sozialisierten Kosten sind, ein Ende. In einer nationalistischen Gesellschaft dient der Staat den Menschen, beim Nationalstaat dienen die Menschen dem Staat.
Uns wird gesagt, dass wir ökonomische Freiheit, soziale Freiheit und unzählige Möglichkeiten haben, unser Leben zu gestalten, doch das Kleingedruckte besagt, dass das allen nur innerhalb eines marktorientierten Nationalstaats möglich ist, in der die Wirtschaft und die Käuflichkeit der Menschen jede dauerhafte Wertvorstellung ein Ende macht. Man trifft nicht mehr die Entscheidungen, die richtig sind, sondern die Entscheidungen, die beliebt oder profitabel sind und folglich von der Masse gewählt werden, deren kleinster gemeinsamer Nenner sie anspricht. Entscheidungen auf Profitgewinn zu gründen ist auf lange Zeit oft eine destruktive Vorgehensweise, wie uns globale Klimaerwärmung und zunehmende Unzufriedenheit zeigen. Wir brauchen einen neuen Plan. Der Nationalismus ist dieser Plan.
Der Nationalismus war die erfolgreichste politische Einheit des 19. Jahrhunderts. Er besteht hauptsächlich aus zwei Konzepten: Die romantische Erhebung von "Empfindung" und "Identität" und die liberale Voraussetzung, dass ein gesetzmäßiger Staat auf sein Volk und nicht auf eine Dynastie, einen Gott, oder imperialistische Herrschaft beruhen muss. Sowohl der romantische "Identitätsnationalismus", als auch der liberale "Gemeinschaftsnationalismus" waren im Wesentlichen Bewegungen, die aus der Mittelschicht der Gesellschaft hervorgingen. - Modern History Sourcebook